Peter Lynch. Peter Lynch war zwischen 1977 und 1990 bei Fidelity für das Management des Magellan Fonds zuständig, mit dem der über die Zeit einen durchschnittlichen jährlichen Return von fast 30% erzielt hat.
Peter Lynch „Der Börse einen Schritt voraus“ wäre auch noch interessant zu lesen.
Er teilt Aktien grundsätzlich in 6 Kategorien ein.
Slow Growers (langsam wachsende Unternehmen)
Stalwarts (Unternehmen mit mittelmäßigem Wachstum
Fast Growers (schnell wachsende Aktien)
Cyclicals (Zykliker)
Turnarounds
Asset Plays
Überschätzen Sie nie die Fähigkeiten und die Weisheit der Profis!
Ziehen Sie Vorteile aus dem, was Sie schon wissen!
Suchen Sie nach Gelegenheiten, die noch nicht von den Börsenexperten entdeckt und beschrieben wurden – Firmen also, die sich noch außerhalb der „Radarschirme“ befinden!
Kaufen Sie sich erst einmal ein Haus, bevor Sie in Aktien investieren!
Investieren Sie in Unternehmen und nicht in die Börse an sich!
Ignorieren Sie kurzfristige Kursschwankungen!
Mit Aktien kann man riesige Gewinne machen!
Mit Aktien kann man große Verluste erleiden!
Wirtschaftsprognosen sind sinnlos!
Kurzfristige Börsentendenzen vorhersagen zu wollen ist ebenfalls sinnlos!
Langfristig betrachtet sind Aktiengewinne sowohl relativ gut prognostizierbar als auch deutlich höher als Anleihegewinne!
Sich über ein Unternehmen, in das man investiert ist, auf dem Laufenden zu halten, gleicht einem fortwährenden Studpokerspiel!
Aktienanlagen sind nicht für jedermann geeignet, nicht einmal für alle Lebensphasen einer Person!
Durchschnittsbürger stoßen oftmals Jahre vor den Profis auf interessante Unternehmen und Produkte!
Informationsvorsprünge helfen Ihnen, mit Aktien Geld zu verdienen!
Auch an der Börse gilt der Spatz in der Hand mehr als zehn Tauben auf dem Dach!
Teil 2
Das KGV jedes korrekt bewerteten Unternehmens entspricht seiner Wachstumsrate.
Wenn beispielsweise das KGV von Coca-Cola 15 beträgt, dann würde man erwarten, dass das Unternehmen mit 15 Prozent pro Jahr wächst. Liegt aber das KGV niedriger als die Wachstumsrate, dann könnten Sie eine günstige Gelegenheit gefunden aben. Ein Unternehmen mit einer Wachstumsrate von sagen wir zwölf Prozent im Jahr und einem KGV von 6 ist hochattraktiv. Andererseits ist die Aktie eines Unternehmens mit einer Wachstumsrate von jährlich sechs Prozent und einem KGV von 12 wenig attraktiv und reif für einen Rückschlag.
Eine etwas kompliziertere Formel ermöglicht es uns, die Wachstumsrate mit den Gewinnen zu vergleichen und dabei zusätzlich die Dividenden zu berücksichtigen.
Man muss die langfristige Wachstumsrate herausfinden (die von Firma X ist zum Beispiel zwölf Prozent), die Dividendenrendite (Firma X zahlt drei Prozent) hinzuzählen und durch das KGV (das von Firma X beträgt 10) teilen. 12 plus 3 geteilt durch 10 ist 1,5. Weniger als 1 bedeutet schlecht und 1,5 ist in Ordnung; aber wonach Sie wirklich Ausschau halten sollten, ist eine Bewertung von 2 oder mehr. Ein Unternehmen mit einer Wachstumsrate von 15 Prozent, einer Dividende von drei Prozent und einem KGV von 6 käme auf eine sagenhafte 3.
Im Normalfall weist eine Unternehmensbilanz 75 Prozent Eigenkapital und 25 Prozent Schulden auf.
Andererseits würde sich eine schwache Bilanz zum Beispiel aus 80 Prozent Schulden und 20 Prozent Eigenkapital zusammensetzen
Bei Turnaround-Werten und angeschlagenen Unternehmen achte ich ganz besonders auf deren Verschuldung. Mehr als alles andere sind es die Schulden, die darüber entscheiden, welche Unternehmen in einer Krise überleben können und welche bankrottgehen werden.
Junge, hochverschuldete Unternehmen sind immer gefährdet.
Bankschulden, die schlimmste Sorte von Schulden und die, sind zurückzuzahlen, sobald es verlangt wird. Solche Kredite müssen aber nicht unbedingt von einer Bank kommen. Es kann sich auch um Darlehen handeln, die ein Unternehmen einem anderen für kurze Zeit zur Verfügung stellt. Entscheidend ist, dass sie meist kurzfristig und manchmal sogar auf Abruf fällig werden.
Das bedeutet, dass der Kreditgeber schon beim kleinsten Anzeichen von Schwierigkeiten sein Geld zurückfordern kann. Ist der Kreditnehmer nicht in der Lage, das Geld zurückzuzahlen, folgt meist augenblicklich der Konkursantrag. Die Gläubiger stürzen sich auf die Firma und nehmen sie aus und wenn sie fertig sind, ist für den Aktionär nichts mehr übrig.
Am Kapitalmarkt aufgenommenes Geld (aus Aktionärssicht die beste Variante) kann so lange nicht zurückgefordert werden, wie der Schuldner die Zinsen zahlt, ganz egal, wie mies dessen Lage ist. Der Kreditbetrag mag für 15, 20 oder 30 Jahre nicht rückzahlbar sein. Bei Kapitalmarktschulden handelt es sich normalerweise um Industrieanleihen mit langen Laufzeiten. In Abhängigkeit von der Finanzkraft des Unternehmens können Industrieanleihen von Bewertungsagenturen auf- oder abgestuft werden, aber was auch immer passiert, die Inhaber der Anleihen können niemals die sofortige Rückzahlung verlangen, so wie das eine Bank tun kann.
Manchmal können sogar die Zinszahlungen aufgeschoben werden.
Checkliste
Aktien im Allgemeinen
Das KGV. Ist es für das jeweilige Unternehmen und im Vergleich mit anderen innerhalb der Branche hoch oder niedrig?
Welchen Anteil halten institutionelle Anleger am Kapital?
Je niedriger, desto besser.
Kaufen Insider und/oder kauft das Unternehmen eigene Aktien zurück? Beides ist positiv zu bewerten.
Wie haben sich die Gewinne bis jetzt entwickelt? Gibt es sie nur hin und wieder oder sind sie beständig? (Die einzige Aktienkategorie, in der Gewinne zweitrangig sind, ist die der Substanzwerte.)
Hat das Unternehmen eine solide oder eine schwache Bilanz (Verhältnis Eigenkapital/Schulden) und wie wird seine Finanzkraft eingeschätzt?
Große Unternehmen vollziehen kleine Bewegungen, kleine Unternehmen vollziehen große Bewegungen.
Suchen Sie nach kleinen Unternehmen, die bereits profitabel sind und bewiesen haben, dass sie ihr Konzept vervielfachen können.
Misstrauen Sie Diversifikationen, da diese oftmals zu Ver-Diversifikationen führen.
Suchen Sie nach Unternehmen, die eine Nische gefunden haben.
Insiderkäufe sind vor allem dann ein positives Zeichen, wenn mehrere Personen gleichzeitig kaufen.
Wachstumsschwache Aktienwerte
Wenn Sie diese Aktien der Dividende wegen kaufen (warum wohl sonst?), sollten Sie prüfen, ob sie immer gezahlt wurde und ob sie regelmäßig angehoben wird.
Wenn es möglich ist, finden Sie heraus, wie viel Prozent der Gewinne als Dividende ausgeschüttet werden. Wenn es ein niedriger Prozentsatz ist, hat die Firma in schlechten Zeiten ein Polster. Sie kann weniger verdienen und trotzdem die Dividende aufrechterhalten. Wenn es ein hoher Prozentsatz ist, dann ist die Dividende eventuell gefährdet.
Stetige Aktienwerte
Dies sind große Unternehmen, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sie vom Markt verschwinden. Der springende Punkt ist der Preis. Das KGV zeigt Ihnen, ob Sie zu viel bezahlen.
Achten Sie auf mögliche Ver-Diversifizierungen, die zukünftige Gewinne belasten könnten.
Prüfen Sie die langfristige Wachstumsrate. Wurde sie in den letzten Jahren aufrechterhalten?
Wenn Sie planen, die Aktie für sehr lange Zeit zu behalten, dann prüfen Sie, wie sie sich während vergangener Rezessionen und Marktrückschläge verhalten hat.
Zyklische Aktienwerte
Beobachten Sie die Vorräte und die Angebots-Nachfrage-Relation sehr genau. Achten Sie auf neu in den Markt eintretende Konkurrenten, da dies normalerweise ein schlechtes Zeichen ist.
Stellen Sie sich darauf ein, dass mit der fortschreitenden Erholung der Geschäfte das KGV sinkt, weil die Anleger das Ende des Zyklus voraussehen, an dem der Höchststand der Gewinne erreicht sein wird.
Wenn Sie gut über Ihren Zykliker Bescheid wissen, dann haben Sie bei der Erkennung der Zyklen einen Vorteil. (Jeder weiß zum Beispiel, dass es in der Autoindustrie Zyklen gibt.
Letztendlich geht es wieder drei bis vier Jahre aufwärts, nachdem es drei oder vier Jahre abwärts ging. Das ist immer so. Die Autos altern und müssen ersetzt werden. Die Leute können den Neukauf vielleicht ein oder zwei Jahre länger hinausschieben als erwartet, aber schließlich landen sie doch beim Händler.
Wachstumsstarke Aktien
Wie war das Wachstum der Gewinne in den letzten Jahren?
Am liebsten ist mir eine Spanne von 20 bis 25 Prozent. Bei Unternehmen, die schneller als 25 Prozent zu wachsen scheinen, bin ich argwöhnisch.
Prüfen Sie, ob das Unternehmen sein Erfolgsrezept an mehr als einem Ort wiederholt hat und so die Funktionsfähigkeit unter Beweis stellte.
Hat die Firma Raum, zu wachsen?
Wird die Aktie gegenwärtig zu einem KGV gehandelt, das in der Nähe oder gleichauf mit der Wachstumsrate liegt?
Beschleunigt sich die Expansion (drei neue Motels letztes Jahr und fünf neue Motels dieses Jahr) oder schwächt sie sich ab?
Wenn erst wenige institutionelle Anleger in die Aktie investiert haben und nur eine Handvoll Analysten jemals davon gehört hat, ist dies bei wachstumsstarken Werten im Aufwärtstrend ein großes Plus.
Turnaround-Werte
Am Wichtigsten ist, ob die Firma einem Ansturm der Gläubiger standhalten kann. Wie hoch sind die flüssigen Mittel des Unternehmens? Wie hoch sind die Schulden?
Wie teilen sich die Schulden auf und wie lange kann die Firma trotz Verlusten an der Lösung ihrer Probleme arbeiten, ohne Pleite zu machen?
Wenn die Firma bereits bankrott ist, was bleibt dann für die Aktionäre?
Wie soll die Firma gerettet werden? Hat sie sich von unrentablen Betriebsteilen getrennt?
Kommen wieder Aufträge herein?
Werden die Kosten gesenkt? Wenn ja, wie wird sich das auswirken?
Spekulative Substanzwerte
Wie hoch sind die Vermögenswerte? Gibt es versteckte Reserven?
Wie hoch sind die Schulden, die man von den Vermögenswerten abziehen muss? (Vor allem die Bankschulden.)
Nimmt das Unternehmen neue Kredite auf und mindert dadurch die Vermögenswerte?